Wohnwelten

Vlies-Tapeten

Zur Zeit werden 90 % aller neuen Tapeten-Kollektionen auf Vliesträger angeboten. Die Anteil der Papiertapete ist geschrumpft. Das liegt vor allem daran, dass Vliestapeten viel leichter zu verarbeiten sind – und bei der Renovierung auch einfacher entfernt werden können.

Eignung und Eigenschaften

Die Vliesmaterialien eignen sich für alle glatten Innengrundputze, Tapezierbeton, Gipskarton- und Gipsbau-Platten, Weichfaser-, Hartfaser-, Tischler- und Spanplatten sowie Untertapeten. Vliesmaterialien machen empfindliche Untergründe (z.B. Untertapeten, stoßempfindliche Putze oder Weichfaserplatten) druck- und stoßresistenter. In Verbindung mit geeigneten Beschichtungsstoffen (z.B. Dispersions-, Latex- und Acrylfarben) sind die Vlies-Wandbekleidungen nach dem Überstreichen sehr strapazierfähig. Kleine Haar- und Netzrisse (Rissgruppe 1) und Putz- bzw. Stoßfugen bei Plattenelementen können elegant überbrückt werden.

Weitere Eigenschaften im Überblick:

  • maßstabil: angenehm weiches, aber trotzdem festes Material
  • schneidestabil: exakter Zuschnitt des dimensionsstabilen Fasermaterials in jedem Zustand, auch bei sehr starker Kleisterdurchfeuchtung
  • schwer entflammbar nach DIN 4102 BI im Verbund mit mineralischen Untergründen
  • wasserdampfdiffusionsfähig nach DIN 53122; auch auf nicht saugenden Untergründen ist ein Austrocknen möglich
  • keine Probleme im Nahtbereich, weil beim Trocknen keine Spannung entsteht
  • wasserdampfdiffusionsfähig nach DIN 53122 (sehr gut bis gut, je nach Beschichtungssystem)
  • meist ansatzfreie Strukturen
  • hautsympathisch beim Verarbeiten
  • bei Renovierung trocken abziehbar

Untergründe und Klebemittel

Die Anforderungen an den Untergrund: Er muss sauber, trocken und tragfähig sein - d.h. alte Tapeten restlos beseitigen, Leimfarbenanstriche abwaschen und lose Anstriche entfernen. Stärker saugende, leicht kreidende oder sandende Untergründe sind mit einem wasserverdünnbaren Grundiermittel zu festigen. Ständig feuchte Untergründe sind für eine Verklebung nicht geeignet. Raue Untergründe mit gipshaltigen Spachtelmassen glätten. Kalk- oder zementhaltige Spachtelmassen wären ungeeignet, weil sie durch ihre Alkalität zu Verfärbungen führen können. Besonders bei hellgrundigen, fertigen Vlies-Wandbekleidungen ist ein einheitlich heller Untergrund erforderlich, der durch einen pigmentierten Tapetengrund oder eine Rollenmakulatur zu erzielen ist. Zum Verkleben ist allgemein Spezialkleister im Ansatzverhältnis 1:20 zu empfehlen. Bei nicht oder schwach saugenden Untergründen sollte ein Zusatz von ca. 10-20% Dispersionskleber zugesetzt werden. Neuere Kleber (z.B. Henkel TT, Glutolin GTX) können in den vorgeschriebenen Ansatzverhältnissen ohne Dispersionskleberzusatz eingesetzt werden.

Verarbeitungstechnik

Die zugeschnittenen Bahnen sind fortlaufend und nicht gestürzt zu leben. Die Verarbeitung kann in der Wandklebetechnik oder durch Einkleistern der Rückseite erfolgen, dann vorzugsweise rationell im Kleistergerät.

Zu beachten ist, dass die Vlies-Rückseite ein anderes - meist stärkeres - Saugverhalten hat wie eine Papierrückseite. Nach dem Einkleistern kann die Tapete ohne Weichzeit direkt verklebt werden. Bei der Wandklebetechnik wird der Kleister mit einer Bürste oder einem Farbroller bahnenweise auf den Untergrund gebracht. Die mit ca. 5-10 cm Zugabe geschnittenen Bahnen mit der Vliesseite nach außen aufrollen, die Bahnen in das frische Klebemittel einlegen und unter lotrechtem Abrollen mit der Moosgummiwalze blasenfrei andrücken. Nachfolgende Bahnen sind auf Stoß zu tapezieren. Innenecken und Außenecken sollten ca. 8 bis 10 cm umklebt werden, um die nachfolgenden Bahnen ca. 4 bis 6 cm überlappend anzusetzen und in der Doppelnaht mit einem Gleitfußmesser durchzuschneiden. Dann die Verschnittstreifen abziehen und eventuell etwas Klebemittel nachstreichen. Die Überstände an Decken, Fußleisten oder Fenster lassen sich mit dem Cuttermesser entlang eines Tapezierspachtels exakt beschneiden.

Bei den überstreichbaren Materialien:

Nach guter Trocknung kann ein ein- bis zweimaliger Anstrich aufgerollt werden. Vlies-Wandbekleidungen sind durch die richtige Untergrundvorbereitung bei der Renovierung restlos trocken abziehbar. Die Bahn löst man an Ober- oder Unterkante vom Untergrund. Sie wird mit gleichmäßigem Zug abgezogen. Der Untergrund wird nicht beschädigt und ist für die nächste Tapezierung direkt tapezierfähig.

 

Film

Ein Film des Tapetenmuseums in Kassel [mehr..]

 

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